Gärtnern mit Christiane, April 2016

Die Töchter des Windes….

diesen poetischen Namen verdankt das Buschwindröschen (Anemone nemorosa) der antiken, griechischen Mytologie. Zephyr, Gott des Westwindes und Frühlingsbote bändelte mit einer Nymphe namens Anemona an. Problem war nur seine Gattin Flora, Göttin der Blüten und Jugend. Sie verwandelte ihre Rivalin aus Eifersucht in eine Blume. Schön für uns Menschen – wie schön die Nymphe wohl war, sieht man den Frühlingsanemonen an. Die  „Töchter des Windes“, die heimischen Buschwindröschen sind weiß, oft rosa überhaucht und wunderbar zart. Und das, obwohl die Frühlingsnächte oft noch sehr kalt sind. Sie sind klassische Gehölzrandpflanzen und fühlen sich auf nicht zu trockenen Böden wohl. Gerne im Frühjahr, wenn die Sträucher noch keine Blätter haben, in der Sonne. Nach der Blüte verschwinden sie und sind nicht mehr zu sehen.

Buschwindröschen – ein Traum in Weiß. Im Hintergrund drängt sich noch ein Leberblümchen mit ins Bild

Also Vorsicht, am besten in Regionen pflanzen, in denen der Boden nicht bearbeitet wird. Fühlen sie sich wohl, bilden sie ganze Matten ohne lästig zu werden. Man kann sie gut über Samen vermehren oder noch besser, kurz nach dem Abblühen die Rhizome vorsichtig ausgraben und umpflanzen. Wer keinen guten Gartenfreund hat, der welche abgeben kann, sollte beim Staudengärtner zu getopfter Ware greifen. Bei den Frühlingsanemonen gibt es viele verschiedene Sorten auch in den Farben rosa, gelb und blau. 

 

Ein weiterer Frühlingshit – das Lungenkraut

Das sogenannte „gefleckte“, heimische Lungenkraut ist eine Staude, die teilweise wintergrünes Laub hat. Das heißt, sie verschwindet über die Wintermonate nicht ganz. Sie wächst sehr gerne im Halbschatten und ist ein sogenannter „Mullbodenwurzler“. Mullboden bezeichnet humusreiche, lockere Böden z. B. unter Laub abwerfenden Gehölzen. Durch das sich zersetzende Laub entsteht ein fruchtbarer Humusboden. Wie man auf dem Foto sehen kann, ist das Lungenkraut ein wunderbarer Frühlingsblüher.

Inzwischen ist diese Staude in Gärten recht modern geworden. Es gibt viele Züchtungen, die zum Teil vor allem auf schön gezeichnete Blätter setzen. Wobei ich die Blüten nicht missen wollte – und meine Hummeln auch nicht. Die sind ganz wild darauf. Warum heißt das Lungenkraut (Pulmonaria) so? Pflanzenforscher Leonhart Fuchs (darum heißt auch die Fuchsie eben Fuchsie…) bezeichnete sie erstmals so. Im Mittelalter wurde die Pflanze gegen Lungenleiden eingesetzt. Hildegard von Bingen nannte sie „Lungwurz".

Pulmonaria wird in Bayern auch „Hänsel und Gretel“ genannt. Vielleicht wegen der oft unterschiedlichen Farben, rosa und blau, an einer Pflanze?

Sie enthält unter anderem Kieselsäure, Saponine, Gerbstoffe und größere Mengen Mineralstoffe und wirkt dadurch tatsächlich hustenreiz- und entzündungshemmend. Die Blüten wechseln in ihrer Farbe oft von Rot (saurer Boden) auf Blau (basisch). Der Standort bestimmt also die Blütenfarbe. Das Lungenkraut samt sich aus und wandert so durch den Garten, ist aber dabei nie lästig. Ein schöner Garten kann auf das Lungenkraut nicht verzichten. 

 

Die ersten Kübelpflanzen dürfen ins Freie – Oliven und Co. 

Die Nächte sind zwar teilweise noch kalt, tiefe Minusgrade sind aber meist nicht mehr zu erwarten. Ich habe im Laufe der Jahre meine Kübelpflanzensammlung immer mehr in Richtung „nicht ganz so kälteempfindlich“ ausgerichtet. Oliven, Oleander, Zitruspflanzen, Rosmarin und Agapanthus sind zum Beispiel relativ hart im Nehmen. Im Herbst müssen sie nicht schon bei den ersten kalten Nächten rein und im Frühjahr geht es schon wieder relativ früh ins Freie. Ich passe schon noch auf etwas auf die Nachttemperaturen auf, aber Pflanzen aus dem Mittelmeergebiet oder Südafrika sind es aus ihrer Heimat gewöhnt, dass die Nächte auch mal leichte Minusgrade haben. Dadurch entspannt sich vieles. Einzelne Lieblinge, wie Fuchsien oder Strelizie dürfen noch im Winterlager bleiben. 

Vielleicht wird es ja noch was mit der Olivenernte?

 

Rosmarin im Topf 

Apropos Rosmarin. Der durfte ja mit seinen Kollegen Olive und Co. schon ins Freie. Mein gut gehüteter Rosmarin im Topf hat sich endlich gut entwickelt. Ich hatte in früheren Jahren immer wieder Rosmarinpflanzen gekauft, die aber immer im ersten Winter eingegangen sind. Zum Teil werden die Kräuterpflanzen bei den „Produzenten“ dermaßen hochgedüngt, dass sie bei den ersten Anforderungen außerhalb wohltemperierter Gewächshäuser schlappmachen. Diese Pflanze war Tischdekoration bei der Hochzeit von Martin und Martha, Neffe und Nichte von mir. Ein gutes Omen – die Pflanze entwickelt sich prächtig! Ein Gruß an dieser Stelle an die beiden. 

Rosmarin – der Duft kann süchtig machen 

Rosmarin kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „ros marinus“ der Tau des Meeres. Rosmarinsträucher wachsen oft an Mittelmeerküsten und nachts sammelt sich der Tau in den Blüten. Eine weitere Deutung kommt aus dem Griechischen „rhops myrinos“ – balsamischer Strauch. Der immergrüne Strauch duftet intensiv aromatisch. Er liebt sonnige, trockene Standorte und würde in Deutschland nur in sehr milden Weinbaugegenden den Winter draußen überstehen. Normalerweise wird er als Kübelpflanze bei uns kultiviert. Keinesfalls im Topf zu nass halten – das wäre sein Tod. Wie alle Kräuterpflanzen, die es trockener wollen, eher auch weniger düngen. Ideal ist zwischendurch eine Gabe mit GeoVit. Da ist kein Überdüngen möglich. 

 

Rosmarin ist eine Duftpflanze, ein Gewürzkraut und ein Heilkraut. In der mediterranen Küche ist er unverzichtbar als Grillgewürz oder in Kräutermischungen. In der Naturheilkunde dient er z. B. als Tee zur Kreislaufanregung und zur Bildung von Magen- und Darmsäften. Er wirkt auch galle- und harntreibend. Ich mag ihn vor allen Dingen wegen seines Duftes und seiner Optik. Er blüht sehr schön und bekommt kleine, blaue Blüten und meine Hummeln und Bienen mögen ihn auch. Was will man mehr?

 

So, für heute ist Schluss. Raus ins Freie. Jetzt habe ich die arbeitsreichste (und schönste) Zeit. Die letzten Beete werden „Frühjahrsfit“ gemacht und vor allem das Unkraut muss aus den Beeten, bevor es Samen bildet. Wenn ich das geschafft habe, wird es wieder etwas ruhiger. Ich wünsche euch herrliche Frühlingstage und bis Mai. 

Reste meiner Osterdekoration – nach dem Abblühen geht es raus in den Garten

Lungenkraut, die „Töchter des Windes“ und Orientalische Christrosen im Frühlings-Blütenreigen

Eure Christiane