Gärtnern mit Christiane, Mai 2016

Rein in den Boden….

Ende April hatte es bei uns fürchterliches Wetter. Kalt, windig und sogar heftige Schneefälle (mehr Schnee als im Dezember oder Januar…). Nun aber, Anfang Mai, wird es endlich langsam besser. Die Nächte sind zwar noch kalt, aber es wird schon. In Gartenzeitschriften und diversen Gartentipps heißt es immer, Dahlien, Canna und so weiter, erst nach den Eisheiligen, Mitte Mai, zu pflanzen. Das mache ich bei aller Vorsicht nicht so. Um den ersten Mai herum pflanze ich meine Knollen schon aus. Jeder Tag weniger im Keller tut nur gut. Bis die Pflanzen so langsam aus dem Boden herausschauen, vergehen leicht noch 14 Tage. Drohen dann noch Nachtfröste, setze ich einfach einen Plastikeimer drüber. Viel gefährlicher als Kälte sind die Schnecken, die sich gerne über die ersten zarten Triebe hermachen. Oft sogar unterirdisch – durch den Austrieb gibt es kleine Spalten im Erdreich in die Schnecken kriechen, nach unten zum Schlemmermahl. Hier streue ich, ausnahmsweise, ein wenig Schneckenkorn um und in die Spalten. 

 

Indien im heimischen Garten

Das indische Blumenrohr, das der Gattung der „Canna“ angehört, ist eine wahre Pracht im Garten. Meine Canna blüht leuchtend rot und hat leicht rötlich verfärbte Blätter. Und wird gigantisch hoch – mindesten 1,70 m. Wie ihr Name vermuten lässt, ist die Knolle bzw. das Rhizom nicht frosthart. Sie wird, wie Dahlien, im Herbst nach den ersten leichten Frösten ausgegraben und in Kisten kühl und frostfrei (5 – 10 Grad Celsius) aufbewahrt. 

In sehr trockenen Winterlagern mit etwas Blumenerde bedecken und eventuell alle paar Wochen etwas mit Wasser besprühen. Möglich ist es auch, wenn die Canna im Sommer in einem Pflanzkübel war, sie gleich in diesem zu überwintern. Aber nicht gießen – sie würde sonst verfaulen. Wir haben einen relativ feuchten „Altbaukeller“, der ideal ist zum Einwintern von Knollen. 

Man sieht es den Knollen noch nicht an – ein Hauch Tropen im Garten

Canna`s lieben einen sonnigen und möglichst windgeschützten Platz. Starker Wind schlitzt die großen Blätter auf. Kübelpflanzenliebhaber, die Bananenstauden haben, kennen das. Den Sommer durch regelmäßig mit einem Volldünger versorgen. Viel Wachstum heißt viel Futter. Sie belohnen uns dafür mit wunderschönen Blüten und Blättern.

 

Kinderstube im Gewächshaus

Da ich beruflich ziemlich eingespannt bin, habe ich im Garten vorwiegend  Staudenanpflanzungen. Wenige einjährige Blumen säe ich selbst aus. Heuer habe ich Cosmea, Löwenmäulchen und Schwarzäugige Susanne in meiner Kinderstube. Mitte April habe ich ausgesät – nun habe ich die ersten pikiert. In der Saatschale geht der Samen dicht auf und wird nun vereinzelt (pikiert). Nachdem ich ja keine Unmengen ausgesät habe, könnte man doch gleich einzelne Samenkörner in ein kleines Töpfchen pflanzen? Im Prinzip ja, die pikierten Pflanzen wachsen aber wesentlich besser weiter. 

Ein Blick in die Kinderstube – die Sämlinge müssen noch verwöhnt werden

Durch das Herausrupfen der Sämlinge reißt die Keimwurzel ab und verzweigt sich dadurch. So können sie mehr Feuchtigkeit und Nährstoffe über das nun vermehrte Wurzelwerk aufnehmen. Apropos Nährstoffe – bitte in spezieller Anzuchterde ansäen. Die zarten Pflänzchen sind noch sehr empfindlich auf zu scharfe Düngergaben. Anzuchterde ist gar nicht oder sehr schwach vorgedüngt. Die frisch pikieren Pflänzchen schwach düngen – oder mit GeoVit versorgen, da kann man auch nicht überdüngen. Na, mal schauen, was aus meinen Pflanzenkindern im Laufe des Sommers wird. 

 

Verblühte Pracht im Frühlingsbeet 

Im Mai geht es mit der Blütenpracht der Frühlingsblüher zu Ende. Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge, Narzissen und schließlich die Tulpen sind verblüht und schauen oft recht traurig aus. Hier muss sich der Gartenbesitzer unbedingt zurückhalten und das Laub der Zwiebelpflanzen keinesfalls abschneiden. Ideal ist es, wenn man es gar nicht anrührt und komplett verwelken lässt und die Arbeit den Regenwurm machen lässt. Die Nährstoffe aus den Blättern werden in den Zwiebeln wieder eingelagert.

Schneidet man sie ab, werden die Zwiebelblüher von Jahr zu Jahr schwächer und verschwinden irgendwann ganz. Ich habe Zwiebelpflanzen zwischen meinen Stauden, die zu dieser Zeit ja hoch wachsen und so von mancher nicht so attraktiven Stelle ablenken. Wer viel Zeit hat, kann zum Beispiel Narzissenblätter, die lang und schmal sind, zu kleinen „Zöpfchen“ flechten. Schaut lustig aus und die Blätter können in Ruhe einziehen. Schnecken sind übrigens ganz wild auf das welkende Laub und fressen daran. Die Weinberg und Häuschenschnecken lasse ich – die bösen Nachtschnecken werden eliminiert. 

Die erste Blütenpracht ist vorüber – Narzissen und Co. nicht abschneiden

 

Wehret den Anfängen…

Unkrautbekämpfung ist im Frühjahr eine der wichtigsten Arbeiten. Alles, was vor der Samenreife aus den Beeten entfernt wird, ist gut. Schafft man das nicht, büßt man das den ganzen Sommer durch, wenn nicht gar über Jahre. Die schönste Art der Unkrautbekämpfung für größere Flächen sind immergrüne Bodendecker. In der freien Natur gibt es normalerweise keine unbedeckten Flächen. Bodendeckerpflanzen bieten auch dem Boden viele Vorteile. Er wird beschattet und so vor Austrocknung und starken Temperaturschwankungen geschützt. Ebenso wird bei starken Regenfällen kein Erdreich abgeschwemmt, vor allem an Hängen. Und „anfliegendes“ Unkraut hat kaum eine Chance, wenn der Pflanzenteppich dicht genug ist.

Ein dichter Pflanzenteppich ist pflegeleicht und tut dem Boden gut

Ganz wichtig ist jedoch, dass die Fläche vor der Pflanzung absolut unkrautfrei ist – vor allem aus der Wurzel austreibendes Unkraut wie Quecke oder Giersch lässt sich auch von Bodendeckern nicht ausbremsen. Es gibt für jeden Geschmack passende Bodendeckerpflanzen. Immergrün (Vinca minor), Dickmännchen (Pachysandra), Elfenblume oder verschiedene Storchschnabelsorten sind geeignet. Auch niedrigwachsende Gehölze wie z. b. die Zwergmispel (Cotoneaster) oder die immergrüne Kriechspindel (Euonymus fortunei) sind dabei. 

Mein absoluter Favorit aus dem Staudenbereich ist die Teppich-Golderdbeere (Waldsteinia ternata) – sie bildet immergrüne, dichte Teppiche und blüht schön gelb im Frühjahr. Und ist dabei nie lästig. Wenn sie sich irgendwo zu weit vorwagt, reißt man sie an dieser Stelle aus und gut ist es. Es gibt durchaus Bodendecker, die zu einer Invasion ausufern können. Die Goldnessel kommt mir nie mehr auf das Gelände. Überwuchert buchstäblich alles und treibt auch noch aus den kleinsten Wurzelteilchen aus….

Nächste Woche habe ich Urlaub und werde meine Kübelpflanzen umtopfen. Das ist für mich das Schönste am Gärtnern – man hat immer einen Plan. Langeweile ist ein Fremdwort. Der Frühsommer nähert sich mit großen Schritten und so die schönste Zeit des Jahres. Ich wünsche euch schöne Maitage und bis nächsten Monat.

 

Eure Christiane  

Passt gut zur Gartenkunst – Tulpen im Mai